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Kastration

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Die Kastration des Hundes

Einen Hund zu kastrieren ist ein alltäglicher Routineeingriff in Tierarztpraxen. Trotzdem sollten sich Hundehalter darüber bewusst sein, dass sie einen schweren und folgenschweren Eingriff in Körper und Leben ihres Hundes durchführen lassen.

Die Kastrationsentscheidung ist immer eine Einzelfallentscheidung, die nach Abwägung aller wichtigen Vor - und möglicherweise Nachteile gefällt werden sollte, möglichst unter Heranziehung der Meinung mindestens eines zweiten Tierarztes (also nicht desjenigen, der die Operation durchführt), sowie eines kompetenten Hundeführers oder Wesensrichters, der den Hund auch in den angeblich kritischen Situationen erlebt hat. Eine Pauschalkastration ist sowohl aus tierschützerischen wie aus verhaltensbiologischen Gründen abzulehnen.

Nachfolgend einige Überlegungen, die zu einer Entscheidungsfindung beitragen können:

Empfiehlt sich die Kastration bei Hunden mit Jagdtrieb und dominantem Verhalten?

Oft empfehlen Hundetrainer Jungrüdenbesitzern, ihren Hund kastrieren zu lassen, da er zur “Dominanz” neigt, in manchen Situationen aggressives Verhalten zeigt und außerdem jagdlich sehr ambitioniert ist. Ist eine solche Kastration tatsächlich angemessen oder womöglich sogar kontraproduktiv?

Zunächst sollte man den betreffenden Hundebesitzern raten, sehr schnell den Trainer zu wechseln und dem Trainer sollte man raten, den Beruf zu wechseln, da er offensichtlich mit einer ganzen Reihe von Fakten nicht wirklich klar kommt. Erstens gibt es keine Dominanz an sich, es sei denn als Beziehung, es muss also festgelegt sein, über wen dieser Hund dominant wäre, er kann nicht einfach “nur zur Dminanz” neigen.

Jagdliches Verhalten hat im günstigsten Falle überhaupt nichts mit Sexualhormonen zu tun, es gibt sogar Fälle von besonders jagdlich motivierten Hunden aus Arbeitslinien, die nach der Kastration, da sie nun nichts anderes mehr im Kopf haben, noch mehr zur Jagd neigen. In Bezug auf die Aggression ist zunächst festzustellen, in welchen Situationen es sich um Aggression handelt, da beispielsweise Selbstverteidigungs- gleich Angstaggression hier ebenfalls überhaupt nichts mit dem Sexualhormon zu tun haben.

Empfiehlt sich die Kastration bei Hündinnen zur gesundheitlichen Absicherung?

Als Argument für die Kastration der Hündin wird oftmals die Vorbeugung gegen Gesäuge- und Gebärmutterkrebs genannt. Inwiefern ist die Kastration aber tatsächlich eine gesundheitliche Absicherung?

Eine gesundheitliche Absicherung einer Hündin durch Kastration ist auch nach neueren veterinärmedizinischen Erkenntnissen nicht nachgewiesen. Insbesondere in Bezug auf Gesäugetumoren sind andere Risikofaktoren, nämlich beispielsweise Fehlernährung (zu eiweißreich, insgesamt Überernährung und Fettleibigkeit) im ersten Lebensjahr, sowie mehrfache chemische Läufigkeitsunterdrückung, als Risikofaktoren wesentlich höher einzuschätzen.

Außerdem ist zu berücksichtigen, dass die häufig angeführten Studien verschweigen, dass nur etwa zwei bis acht Prozent (je nach Altersklasse) aller unkastrierten Hündinnen mit Gesäugetumoren in Tierarztpraxen vorgestellt werden.

Was geschieht nach der Kastration mit dem Hormonhaushalt des Hundes und inwieweit kann das zu psychischen und physischen Veränderungen führen?

Der Hormonhaushalt wird in Bezug auf die Sexualhormone völlig verändert und die unterschiedlichsten Wirkungen auf die Spiegel des Stresshormons Cortisol können nur nach Betrachtung der Einzelpersönlichkeit des Hundes abgeschätzt werden. Angstaggressive beziehungsweise allgemein unsichere und verängstigte Rüden sowie Hündinnen mit ohnehin hohem Testosteronspiegel (also solche, die sich sehr rüpelhaft benehmen oder beim Markieren das Beinchen heben) neigen dazu, diese Probleme nach der Kastration zu verschlimmern. Außerdem ist bei Rüden mit Muskelabbau und Schwäche des Bindegewebes und bei Hündinnen mit Mineralstoffwechselstörungen bis hin zu Knochenveränderungen zu rechnen.

Welche Gründe würden zwingend für eine Kastration im Einzelfall sprechen?

Eine Kastration aus medizinischer Sicht muss mit einem Tierarzt, am besten mit einem Fachmann, abgeklärt werden. Aus verhaltensbiologischer Sicht ist eine Kastration bei einem echt hypersexualisierten und / oder ausgesprochen status- und rangaggressiven Rüden zu überlegen, eventuell bei einer Hündin, die nur um den Zeitpunkt der Läufigkeit herum aggressiv ist, und eventuell bei einer ängstlichen beziehungsweise angstaggressiven Hündin.

In allen Fällen sollte jedoch eine chemische Kastration als Probelauf bei jeglichen verhaltensbiologischen Kastrationsüberlegungen vorgeschaltet sein.

In welchem Alter sollten Kastrationen vorgenommen werden?

Die Frage nach einem optimalen Alter kann ganz einfach beantwortet werden: Da von vorbeugenden Kastrationen grundsätzlich abzuraten ist, sollte man kastrieren, wenn ein Problem auftritt, das tatsächlich nach kompetenter Meinung durch Kastration verbessert werden könnte, und wenn diese Entscheidung noch durch die chemischen Probeläufe vorher abgesichert wurde.

 

Hier noch ein schöner Beitrag mit Genehmigung:

http://www.tierarzt-rueckert.de/blog/details.php?Kunde=1489&Modul=3&ID=18951

 

 

letztes Update: 20.04.2018| Kontakt | Impressum | © Ulrike Fugmann